Widget Image
LARGEST ONLINE SHOP
Cum sociis natoque penatibus et magnis part masa urient montes, nascetur ridiculus mus.
SIGN UP FOR WALKER
[contact-form-7 404 "Not Found"]
Pop-up Image

GET THE GOOD STUFFS

Subscribe to the Walker mailing list

[contact-form-7 404 "Not Found"]

Blog

Home  /  Allgemein   /  Breitbart über Schmalbart: Ein Muster, wie Breitbart arbeitet.

Breitbart über Schmalbart: Ein Muster, wie Breitbart arbeitet.

Wir waren natürlich sehr gespannt, was Breitbart über Schmalbart schreibt. Der erste Gedanke beim Überfliegen: das ist doch eigentlich noch ganz okay.

Auf den zweiten Blick ist dieser Beitrag aber ganz typisch für die „Methode Breitbart“ und nicht okay.

Das im Kontext dieser Meldung wenig vorteilhafte Foto ist zwar auf Facebook und auf Twitter erschienen, Breitbart hat aber nicht das Recht dazu, das Foto selbst zu veröffentlichen. Weder die Twitter- noch die Facebook-Nutzungsbestimmungen erlauben die Nutzungsrechtsübertragung an Medien (dies war ja mal ein Streit z.B. bei posterous und Instagram). Der zweite Kritikpunkt am Foto betrifft die Auswahl. Breitbart hätte auch eines der vielen Businessfotos nehmen können, die man sofort bei Google findet. Stattdessen hat man ein Foto genommen, dass zwar öffentlich, aber eben doch privater Natur war, denn das Datum des Postings war der 25.12., das Foto stammt vom letzten Weihnachtsfest: Diesen Hut habe ich beim sogenannten Schrottwichteln gewonnen und meine Mundwinkel habe ich übertrieben verzogen, um zu zeigen, dass ich mich selbst mit dem neuen Hut auf dem Handy kritisch betrachten. Wer mich auf Social Media verfolgt, ahnt auch, was ich davon halte, zu einem mehrstündigen Tausch wertloser Ware sozial gezwungen worden zu sein.

Jeder Mensch weiss, dass es verschiedene soziale Kontexte gibt. Breitbart aber entnimmt ein Foto aus dem einen Kontext und stellt es in einen anderen, der andere Bedeutung hat.

Ich als Inhaber des Persönlichkeitsrechtes werde dagegen übrigens nicht vorgehen, da es mir darauf ankam, die Zivilgesellschaft zu aktivieren. Das heißt vor allem: sich irgendwie zu zeigen und Stellung zu beziehen. Das kann man nicht von jedem verlangen. Es gibt auch Menschen, die sich schützen müssen oder wollen, das Wollen reicht auch schon und braucht keine Rechtfertigung. Aber wer, wenn nicht ein beinahe alter, sehr weißer Mann wie ich, den seine Kunden auch nach bösartigen Anrufen noch weiter beauftragen werden, sollte sich mit seinem Konterfei zeigen? Wenn das nicht mehr möglich wäre, wäre die Demokratie wirklich in Gefahr.

Schauen wir auf den Text:

  1. „Lefties“? Nein, bei Schmalbart sind überwiegend parteilose Menschen, die politisch aus allen Farben des Spektrums stammen. Es gibt bekennende Liberale, Grüne, CDUler, SPDler, Piraten, alles – wir haben das nicht ermittelt und ich denke, wir sollten das auch nicht, aber das Bild ist in jedem Fall bunt. Das ist die Stärke von Schmalbart, und wir sollten alles daransetzen, dass es so bleibt. Es ist eine sehr angenehme Erfahrung untereinander, und wenn es uns gelingt zu zeigen, dass wir verschiedener Meinung sind – und dabei trotzdem fair und respektvoll miteinander umgehen – dann haben wir gute Chancen, vor allem in Social Media zu überzeugen. Das ist nicht leicht, die Milieugrenzen sind schwer zu überbrücken. Also, „Lefties“ sind wir eben nicht. Wir sind ein Netzwerk von allem, was „Non Alt-Right“ ist. Eben einfach nette und auf Verständigung bedachte Menschen mit wechselnder Tageslaune.
  2. „Journalist“: Niemand nennt mich so. Ich schreibe hin und wieder auf Nachfrage als freier Mitarbeiter für klassische Printmedien oder Online-Publikationen. Es ist beinahe alles dabei: einige Jahre für die FAZ, selten mal ZEIT, Freitag und das eine oder andere Nischenprodukt wie Merkur, Blätter, Merton. Das ist aber mein Hobby, mein Einkommen daraus sind weniger als 1% meines Gesamteinkommens. Man hätte durch einen Blick auf LinkedIn und XING herausfinden können: ich bin Digital Manager, zuweilen interimistisch (2 Jahre bei Red Bull als Head of Online im Medienbereich, aktuell Interim-Manager eines sehr großen Mittelständlers in Süddeutschland. Im letzten Jahr habe ich Philip Morris online unterstützt, aber auch Greenpeace). Ich habe mit Sascha Lobo Startups gegründet. Ich bin von der Ausbildung her Jurist. Das ist alles frei zugänglich. „Journalist“ bin ich ganz sicher nicht.
  3. „Cash-strapped“: Schmalbart ist also knapp bei Kasse. Dagegen ist erst einmal nichts zu sagen. Es kommt aber am Textende die Frage, wie wir eigentlich mit so wenig Geld diese großen Projekte machen wollen. Nun, das haben wir anderen Medien erläutert und dort ist es auch zu lesen: Wir brauchen nicht viel, weil wir Freiwillige sind, und was wir brauchen, werden wir durch Spenden, Crowdfunding, Lizenzinhalte, Kooperationen erhalten. Breitbart lässt das einfach weg. Schlimmer noch, und das ist eben falsch: „It is not known how the site intends to maintain such a large paid staff given that it is presently is raising just €740 per month.” Der Leser kann sich nun aussuchen, ob er über so wenig Wirtschaftskompetenz den Kopf schüttelt, oder ob er aus dem „not known“ schließen kann, dass es eine von Schmalbart verschleierte Finanzierung durch das dort gern sogenannte „Establishment“ gibt
  4. Manifesto“: ein Blog Post ist in erster Linie ein Blog Post. Wenn er ein Manifest wäre, dann hätte er Thesen, die ich mit Schwung vertrete. Hier wird auf die Unsitte angespielt, dass jeder Hans & Franz, Social & Media, Pseudo & Intellektuelle seit Erfindung des Internets Manifeste, Thesen, eine Charta verfasst, die schon im nächsten Monat vergessen sind. Dieses Bedeutungsfeld ergibt sich aber erst in einer Gesamtschau mit den anderen Punkten, den Breitbart selbst schreibt ja nicht mehr als dieses eine Wort Manifesto.
  5. „Schmalbart“: Dieser Name wird dem Leser, der kein Deutsch spricht, als Gegenbegriff zum breiten Bart erklärt, so dass die politische Doppeldeutigkeit von „Schmalbart“ entfällt.

Erst in der Gesamtschau von Wortwahl, Dekontextualisierungen, Rechtsbrüchen und  Auslassungen wird klar, welchen Spin die gesamte Meldung hat: Eine Person, die ziemlich verkniffen aussieht und zu den Medien zu rechnen ist, will Linke dabei anführen, sich Geld zu beschaffen. Jeder Teil dieser Aussage ist, wie ich oben gezeigt habe, zwar richtig, aber falsch, eine Halbwahrheit. Der Kern der Aktivität ist politisch, er wird aber umgedeutet in eine eigennützige Geldbeschaffung. Die Falschmeldung ungeklärter Finanzierungslücken öffnet den Raum für Verschwörungstheorien: Schmalbart als obskur finanziertes Projekt des Medien-Establishments. Das ist deswegen besonders übel, weil Breitbart selbst seine Finanzquellen gar nicht aufdeckt und die wirtschaftspolitischen Ziele hinter einer politischen Alt-Right-Fassade verdeckt.

Es wird nicht gefragt und nicht recherchiert, die Realität wird passend gemacht, bis sie Vorurteile bedient – den Rest erledigen dann die Kommentatoren. So läuft Breitbart. Wir sind gespannt, welcher Spin als nächster kommt.

COMMENTS