Widget Image
LARGEST ONLINE SHOP
Cum sociis natoque penatibus et magnis part masa urient montes, nascetur ridiculus mus.
SIGN UP FOR WALKER
[contact-form-7 404 "Not Found"]
Pop-up Image

GET THE GOOD STUFFS

Subscribe to the Walker mailing list

[contact-form-7 404 "Not Found"]

Blog

Home  /  Allgemein   /  Lagerberichte: Ben und Frank im Dialog

Lagerberichte: Ben und Frank im Dialog

Ben Krischke und Frank Zimmer sind sich selten einig. Krischke publizierte unter anderem bei die “Achse des Guten“ von Henryk M Broder und Dirk Maxeiner, Zimmer ist in der Debatte um Gerald Hensels “Kein Geld für Rechts“ u. a. mit der Achse aneinandergeraten. Krischke sieht sich als moderner Konservativer und Vollblutdemokrat, Zimmer als linksliberaler Verfassungspatriot. Auf Schmalbart streiten sich beide Münchner Journalisten künftig im Wechsel über Politik, Medien und Lagerdenken.

Ben Krischke macht den Anfang. Für einen Beitrag auf „Die Achse des Guten“ wurde er als „Rechtsextremist“ bezeichnet. Er ist überzeugt, dass solche vorschnellen Anschuldigungen symptomatisch für das aktuelle Debattenklima sind, das an politischer Naivität und dem Drang zur Vereinfachung krankt. Gerade die Linke sei darin ziemlich gut, findet er.

Ben Krischke ist Journalist und freier Autor.

Ben Krischke ist Journalist und freier Autor.

Folge 1:  Über Schmalbart, Moralsphären und politische Kampfbegriffe

Lieber Frank,

seit gut zwei Jahren kennen wir uns mittlerweile. In dieser Zeit haben wir gute Gespräche und noch mehr hitzige, im Tenor aber stets faire, Diskussionen geführt. Und ich glaube, man kann behaupten, dass wir freundschaftlich miteinander verbunden sind, obwohl – oder vielleicht auch weil – wir politisch nur selten einer Meinung sind. So ein bisschen Pfeffer beflügelt Beziehungen bekanntlich ja auch.

Wenn ich mich richtig erinnere, war es zwischen den Jahren, als die Idee aufkam, dass wir beide irgendeine Form des öffentlichen Meinungsaustauschs fokussieren könnten, der über die Kommentarfunktion bei Facebook hinausgeht. Dass dieser – Stand heute – künftig auf Schmalbart stattfinden soll, freut mich ganz besonders.

Zum einen, weil – und hier dürften wir tatsächlich einer Meinung sein – die politischen Debatten aktuell nicht ausreichend zu einem echten Diskurs verschmelzen. Dieses Verharren im eigenen Mikrokosmos nimmt stattdessen zwanghafte Züge an: Ich erinnere an die Weigerung mancher Politiker mit Vertretern der AfD in einer Talkshow aufzutreten und zu diskutieren. Welch verschobenes Verständnis von Demokratie, die – um mir etwas Pathos zu erlauben – oft doch erst im Streit die schönsten Blüten treibt.

Zum anderen bin ich sehr gespannt, wie es bei der – wohl überwiegend linksgrünen – Schmalbart-Community um echte Toleranz bestellt ist, wenn die eigene Meinung auf der eigenen Plattform mal nicht repräsentiert wird, Stichwort Mikrokosmos. An dieser Stelle eine erste Trigger-Warnung: Vieles von dem, was Sie hier künftig von mir lesen werden, könnte ihrer Meinung widersprechen, und Sie deshalb verstören!

Im vergangenen Jahr wurde ich für einen Beitrag auf der „Die Achse des Guten“ unter anderem als „Rechtsextremer“ bezeichnet, weil ich die Aktion „Kein Geld für Rechts“ kritisiert hatte. Ziel der Aktion war es, werbende Unternehmen darauf hinzuweisen, dass sie auf einer angeblich rechten Plattform werben. Dafür stellte man sie öffentlich an den Pranger. Meine Kritik an „Kein Geld für Rechts“ ist deshalb folgende: Wenn man glaubt, man müsse sich der Denunziation bedienen, um dem politischen Gegner zu schaden, dann zeugt das von einem unreifen Demokratieverständnis und somit von politischer Naivität. Es steht natürlich jedem frei, das anders zu sehen.

Aus meiner Kritik an dieser Aktion also sofort das Fazit zu ziehen, ich sei ein Extremist, war absurd. Und dennoch scheint es im Sinne einer fairen Debattenkultur notwendig, kurz darauf einzugehen und etwas politische Aufklärungsarbeit zu leisten: Extremismus jedweder Art setzt voraus, ein bestehendes System zugunsten einer politischen oder religiösen Ideologie destabilisieren zu wollen. Und nichts liege mir als Konservativer (mit Abstrichen) ferner.

Mittlerweile sind reaktionäre Anschuldigungen leider alltäglich und symptomatisch für ein Debattenklima, indem es zunehmend – unabhängig von der politischen Coleur – en vogue scheint, alles und jeden mit einem Brandmal zu versehen: Angela Merkel sei eine Volksverräterin, Donald Trump ein Faschist, Jakob Augstein ein Linksextremist, Henryk Broder ein Islamhasser, Frauke Petry ein Naziweib.

Wie Jan Fleischhauer in seinem Buch „Unter Linken“ treffend feststellt, war gerade die sogenannte Linke immer sehr gut darin, die Welt in „Moralsphären“ zu unterteilen. Kein Wunder also, dass sich in den eigenen Sphären auch der Kampfbegriff Rechtspopulismus etablieren konnte. Damit werden auch mal überschnell Politiker und Publizisten aus dem rechten Spektrum, also auch liberale, bürgerliche und konservative, bedacht. Ich halte die Verwendung des Begriff „Rechtspopulismus“ für genauso selbstentlarvend wie den – übrigens auch von den 68ern verwendeten – Vorwurf der „Lügenpresse“. Lückenpresse wäre das richtige Wort. Oder Tendenzjournalismus.

Im – nennen wir es – Gründungsmanifest schreibt sich Schmalbart auf die Fahne „fair, offen, kritisch, neutral, freiheitlich“ zu sein. Außerdem will man, so heißt es weiter, „gegen Populismus“ ins Feld ziehen. Eine ehrenwerte Aufgabe, wenn man dabei den eigenen Grundsatz von Fairness und Neutralität wahrt. Diesen Eindruck habe ich aktuell nicht: In den bisher auf Schmalbart erschienen Beiträgen sind die Koordinaten eindeutig, wo „Populismus“ verortet wird. Bei Breitbart, bei Roland Tichy und bei Donald Trump, also bei all jenen, die angeblich irgendwie rechts sind. Und zwar nur dort.

Dabei zeigt sich der sogenannte Populismus – also das Ignorieren von Fakten und das Vereinfachen von komplexen Themen zugunsten einer banalen Botschaft – doch in allen Ecken der politischen Landschaft. Immer schon. „Wir schaffen das!“ ist demnach populistisch, „Yes, we can!“ ist es auch. Ganz zu schweigen von der Verbissenheit, mit der unerschütterliche Verfechter der EU keine Möglichkeit ungenutzt lassen, zu betonen, dass diese der einzige Stabilitätsfaktor für Frieden und Wohlstand in Europa sei.

Man erkläre diese Überzeugen mal den Griechen oder den Ukrainern. Oder manchen Schweizern, die sich zu Recht über das deutsche Demokratie-Verständnis wundern, wonach das Volk in richtungsweisende Entscheidungen zwar nicht eingebunden, aber hinterher nur allzu gerne in die Pflicht genommen wird. Und wer darauf keine Lust hat, gar gegen bestimmte Entscheidungen anredet oder anschreibt, der wird mit allerlei Begriffen bedacht: „Pack“ (Sigmar Gabriel), „Arschloch“ (Peter Tauber) oder „rechter Scharfmacher“ (Frank Zimmer).

Ich freue mich auf unsere Diskussion.

Ben Krischke

Sorry, the comment form is closed at this time.