Widget Image
LARGEST ONLINE SHOP
Cum sociis natoque penatibus et magnis part masa urient montes, nascetur ridiculus mus.
SIGN UP FOR WALKER
[contact-form-7 404 "Not Found"]
Pop-up Image

GET THE GOOD STUFFS

Subscribe to the Walker mailing list

[contact-form-7 404 "Not Found"]

Blog

Home  /  Allgemein   /  Trump im SPIEGEL: Wozu ein Kopf-ab-Cover?

Trump im SPIEGEL: Wozu ein Kopf-ab-Cover?

Donald Trump mit blutigem Schwert und barbarischer Kopf-Trophäe: Das aktuelle SPIEGEL-Cover polarisiert selbst in der Filterblase. Geschmacklosigkeit oder Zukunftvision? Bei Schmalbart stellen Christoph Kappes und Frank Zimmer ihre unterschiedlichen Meinungen zur Diskussion.

Christoph Kappes: „Der SPIEGEL hat eine Grenze überschritten“

Was mich wundert: wie viele Menschen glauben, dass es sich bei einem Cover um „Journalismus“ handelt. Ich glaube, das ist nicht richtig. Es handelt sich, wie bei jeder Verpackung, die einen Kaufanreiz darstellen soll, um Werbung, nämlich Werbung für ein journalistisches Produkt. Werbung können wir von anderen Inhalten unterscheiden, weil sie ganz offensichtlich überzogen ist – sie ist nämlich nicht die reine Wahrheit. (Diese Idee stammt wohl von Niklas Luhmann.)

Wir müssen mit solcher Werbung wohl leben: überzogene, schreiende oder gar verlogene Werbung. Frank Zimmer hört das in seinem Beruf bestimmt nicht so gern. Und damit hat er recht, weil wir Werbung eben als solche erkennen und dann ihre Bedeutung korrigieren. Jeder weiß, dass Zuckerschokolade Kindern schadet. Und jeder weiß: Donald Trump köpft keine Menschen, auch keine Statuen, auf dem Cover ist also eine Metapher zu sehen, ein Bild wird auf ein anderes übertragen. Eine gewisse Übertreibung ist Werbung zu eigen, das ist in Ordnung.

Liest man die Metapher als „Donald Trump handelt gegen die Freiheit – die Amerika in seinen Wurzeln ausmacht“ (das wäre mein ernstgemeinter Versuch), ist dagegen auch inhaltlich nichts zu sagen. Das ist sogar ein Standpunkt, der meiner ist.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass der SPIEGEL-Verlag hier eine Grenze überschritten hat. Da ist zum einen die schlichte Tatsache, dass die Comicform alle Seiten einer Provokation hat. Explodierende Köpfe, geschnetzelte Menschen, das war für mich als Kind ein großer Spaß! Als Erwachsener weiß man aber: Köpfen ist das weltweite Zeichen für Terror. Ich schreibe gern Schlimmstes über Donald Trump, aber ein Terrorist ist er nicht.

Da ist zum zweiten, man sieht es an der Resonanz, dass der SPIEGEL im Ausland gern als Stellvertreter gesehen wird. Auch im Inland höre ich, der SPIEGEL habe jetzt Trump mal richtig Contra gegeben. Das aber überschreitet die Funktion von Massenmedien: sie sind Beobachter, sie sollen auch beobachtet werden – aber Klassensprecher sind sie nicht, und schon gar nicht für den Unwillen der deutschen Bevölkerung. (Ich gebe zu, dass ich noch zu den alten Männern gehöre, die Deutschland aus historischen Gründen ungern in vorderster Front sehen, wenn es darum geht, andere Nationen des Terrors zu bezichtigen.)

Drittens ist es am Ende die Technik, die Öffentlichkeit zu triggern, genau jene Trumps. Köpfen triggert immer, und es dem Präsidenten des mächtigsten und reichsten Landes der Erde vorzuwerfen, das ist kaum noch zu schlagen. Jan Böhmermann hat im Hamburg an der Ericusspitze seine neuen Meister gefunden, die jetzt wahrscheinlich mächtig stolz sind auf Ihre Rolle als Sturmgeschütz der Demokratie. Nur haben sie zwei Salven ins eigene Lager geschossen. Die erste Salve, indem sie mit dem Bild der Freiheitsstatue an nichts anderes als einen überholten Nationenbegriff Trumps und der Neuen Rechten anknüpfen. Die zweite Salve, indem sie sich der Methoden des Gegners bedienen, die sie an ihm ja kritisieren – kann man Trump besser ins Recht setzen? Ich bin, ernsthaft, die letzten Tage sehr in Sorge, dass die politische Welt aus den Fugen gerät, gerade in dieser Situation muss man nicht auch noch mit dem Presslufthammer auf die Kacheln schlagen.

Frank Zimmer findet:  Das Cover entlarvt Trumps inoffizielle Rolle als IS-Präsident 

Es gibt gute Argumente gegen das aktuelle SPIEGEL-Cover. Clemens Wergin hat sie in einem Artikel für die „Welt“ aufgezählt. Trump als Kopfjäger und Henker der amerikanischen Demokratie, das ist geschmacklos, blutrünstig-boulevartdesk, primitiv auf Auflage und Aufmerksamkeit aus, ein Spiel mit Angst und Hysterie. Vor allem aber: Ein Cover und eine Kampagne zur falschen Zeit. Was, so der US-Korrespondent der WELT soll danach noch kommen? Wie reagieren wir, wenn Trump über großmäulige Ankündigungen und empörende Einzelmaßnahmen hinausgeht, und wirklich die Abrissbirne gegen Verfassung, Meinungsfreiheit und Demokratie einsetzt? Wergins Warnung scheint berechtigt:

„Wenn die schärfsten Waffen des Journalismus schon eingesetzt werden, wenn es bisher nur einen Verdacht und eine Ahnung gibt von dem, was da kommen könnte, dann hat der Publizismus sein wirksamstes Pulver schon verbraucht, wenn es irgendwann tatsächlich gebraucht würde. Weil dann niemand mehr glaubt, dass es diesmal wirklich darauf ankommt.“

Alles richtig. Aber in einem Punkt teile ich die Kritik am Trump-Cover nicht. Ich meine den vermeintlich unangemessenen und Opfer verhöhnenden Vergleich mit dem IS. Tatsächlich erinnert die Gestalt auf dem SPIEGEL-Cover an die Ikonografie des Islamischen Staates. Was das mit Trump zu tun hat? Nichts, findet Clemens Wergin. Der Mann gebe Anlass zu größter Besorgnis, schreibt er. Aber „ein IS-Schlächter“ sei er deshalb noch lange nicht.

Das stimmt. Trump schlägt keine Köpfe ab. Aber das Trump-Cover mit seiner auf Effekt bedachten grafischen Überhöhung (was im Wesen jeden Covers liegt) erinnert daran, dass Trump nicht der Henker des IS ist, sondern sein mächtigster Verbündeter. Egal, ob Trump das bewusst ist oder nicht. Egal, ob sein Einflüsterer Steve Bannon das zynisch einkalkuliert oder sich selbst schönredet. Wir alle wissen, was nach dem nächsten großen islamistischen Anschlag in den USA oder auf einem amerikanischen Stützpunkt im Ausland geschieht. Wer welche Tweets schreibt und auf Facebook postet. Welche Mechanismen in Gang gesetzt werden. Die Spirale aus Hass, Wut, Angst und Empörung ist so vorhersehbar, dass PR-Teams sie schon heute wie im Manöver üben könnten.

Ein großer Terroranschlag im Maßstab des 11. September oder noch darüber hinaus wird der Ernstfall für die westliche Demokratie sein. Trump und Bannon werden diesen großen Anschlag sicher nicht wünschen und schon gar nicht planen. Aber sie werden ihn ausschlachten. Sie werden das Netz kochen lassen. Sie werden einen neuen Reichstagsbrand herbeitwittern und Ermächtigungsgesetze gegen Muslims, Ausländer, Einwanderer und praktisch jeden fordern, den sie zum Feind im totalen Krieg gegen den Terror erklären. Sie werden das tun, was der IS will und damit seine nützlichen Idioten sein. Das ist eigentliche Vision des neuen SPIEGEL-Titels: IS-Präsident Donald J. Trump.