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Lagerberichte 4: Die Doppelmoral der „Alternativen Medien“

Ben Krischke (l.) und Frank Zimmer arbeiten als Journalisten in München. und debattieren in „Lagerberichte“ auf schmalbart.de regelmäßig über Medien, Politik und Populismus. Foto: Christoph Born.

Warum ereifern sich die neuen „Alternativen Medien“ über Symbole und Begriffe, wenn Sie doch angeblich gegen „Political Correctness“ sind?  Und warum sind immer nur die Anderen intolerant? Frank Zimmers Antwort auf „Achse“-Autor Ben Krischke.

Lagerberichte 4: Über politisch korrekte Populisten und wirkliche Mehrheiten

Lieber Ben,

was Du letzte Woche über Meinungsfreiheit, Vernunft und Toleranz  geschrieben hast, gefällt mir. Angela Merkel hätte es nicht besser formulieren können. Leider handelt der real existierende „Neue Konservativismus“ anders als Du es glaubst. Sobald es im Diskurs ungemütlich für ihn wird, ist es mit dem Ideal der Aufklärung nämlich ganz schnell vorbei.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern, egal, ob die jemand gut oder scheiße findet“: Erzähl das doch mal Gerald Hensel, auf den Deine „Achse des Guten“ und „Tichys Einblick“ in der Vorweihnachtszeit verbal so lange eingetreten haben, bis er sich nicht mehr rühren konnte.

Hatte er nicht das Recht, seine Meinung über bestimmte Medien zu äußern? Und waren die unzähligen „Nazischweine“-Anrufe, Drohmails und sonstigen Beschimpfungen, die seine Kollegen abbekamen, die „gelebte Demokratie“, von der Du sprichst? Dirk Maxeiner von der Achse des Guten nannte die von seiner Seite ausgelöste Hasswelle damals „sachlich, argumentativ und mitunter humorvoll“.

Komisch finde ich auch den wutbürgerlichen Kreuzzug gegen „Political Correctness“. Die absurdeste Form von Political Correctness, die mir in den vergangenen Monaten untergekommen ist, war Henryk M. Broders Stalinismus-Vorwurf gegen den FDP-Sympathisanten Gerald Hensel – weil dessen privates Blog „Davai Davai“ hieß und einen roten Stern als Logo nutzte.

Obwohl: Die nationalkonservative ungarische Regierung von Viktor Orban hat den ikonografischen Eifer der „Achse“ fast noch übetroffen. Sie stört sich am roten Stern auf den Bierflaschen von Heineken. Andere Feindbilder der „Political Correctness“ von rechts sind „Wintermärkte“ (die schon immer so hießen, weil sie über die Weihnachtszeit hinaus gingen) oder Deutsche mit Patriotismus-Defizit.

Aber es bringt ja nichts, sich gegenseitig Einzelfälle vorzuhalten und für symptomatisch zu erklären. Können wir uns darauf einigen, dass keines unserer politischen Lager arschlochfreie Zonen sind?

Dann würde ich gern noch wissen, was es mit den so genannten Mainstream-Medien auf sich hat. Das ist einer der Punkte im neukonservativen Diskurs, die ich am wenigsten verstehe. Ihr fühlt Euch von den meisten Medien schlecht behandelt. Ihr werft Ihnen vor, einem veralteten bundesrepublikanischen Konsens zu dienen: Europäische Integration, Westbindung, null Toleranz gegenüber Nationalismus und Rassismus. Bis dahin kann ich alles noch einigermaßen nachvollziehen, obwohl ich diesen Konsens selbst unterstütze. Aber wir leben ja in einem freien Land.

Wo ich nicht mehr mitkomme: Wenn jemand die „Mainstream-Medien“ ablehnt – warum ignoriert er sie nicht einfach? Man muss das alles nicht lesen, nicht hören und nicht sehen. (Dass „Welt“-Kolumnist Henryk M. Broder selbst Produkt und Profiteur dieser Medienindustrie ist, lassen wir jetzt mal unter den Tisch fallen). Ihr wollt doch alle „radikale Demokraten“ sein. Dann benehmt Euch auch so, organisiert Euch und schafft Euch Eure eigenen Medien. Verbreitet dort die Wahrheiten, an die Ihr glaubt. Die schweigende Mehrheit, „Das Volk“, das AfD und Pegida für sich reklamieren, müsste dann nur noch mit der Tastatur abstimmen und massenhaft zu den so genannten „Alternativen Medien“ überlaufen. Genau so, wie es neuerdings bei jeder Wahl erdrutschartige Veränderungen … Oh, wait.

„Das Volk“ will offenbar etwas anderes. Es wählt in den Niederlanden zu fast 87 Prozent nicht populistisch, und im Saarland hatte die AfD am vergangenen Sonntag einige Mühe, in den Landtag einzuziehen. Selbst wenn Frauke Petry im September 20 Prozent schaffen würde: Ihre Wähler wären dann immer noch nicht „Das Volk“, sondern ein Völkchen. Es stünde 8:2 für die Berliner Republik.

Auch in der Medien kommt die liberal-konservative-unabhängig-alternativ-freiheitlich-aufgekärte Revolution nicht so recht voran. Spiegel Online wird laut IVW ungefähr hundertmal so oft geklickt wie die „Junge Freiheit“, und die Leute lesen immer noch lieber Miriam Meckels „Wirtschaftswoche“ als Roland Tichys Einblick. Es ist ihre Entscheidung. Keiner zwingt sie dazu, im Netz Mainstram-Medien zu lesen, keiner hindert sie daran, zu den neuen „alternativen Medien“ überzugehen.

Die Neuen Konservativen sind nicht das „Das Volk“. Sie sind noch nicht einmal eine verfolgte Minderheit, obwohl ihnen die Opfer-Story so gut gefällt. Sie sind einfach nur nicht die Mehrheit. Und das sollten sie als „radikale Demokraten“ akzeptieren, statt die Schuld bei anderen zu suchen.

Herzliche Grüße,

Frank

Auf Schmalbart streiten sich die beiden Münchner Journalisten Frank Zimmer und Ben Krischke wöchentlich über Politik, Populismus, Medien und Lagerdenken. Zimmer sieht sich als linksliberaler Verfassungspatriot, Krischke als moderner Konservativer und Vollblutdemokrat. Bisher erschienen:

Folge 3: Über echten Konservativismus, „Beobachter Völkischer“ und eine Flasche Bordeaux (Ben)

Folge 2: Über echten Populismus und Pseudo-Konservative (Frank)

Folge 1:  Über Schmalbart, Moralsphären und politische Kampfbegriffe (Ben)

 

COMMENTS

  • hallo

    hallo, wir sind nicht doof

    29. März 2017
  • hdws

    „Wo ich nicht mehr mitkomme: Wenn jemand die „Mainstream-Medien“ ablehnt – warum ignoriert er sie nicht einfach? Man muss das alles nicht lesen, nicht hören und nicht sehen.“

    Gutes Argument, bitte unbedingt Herrn Maas und allen staatlich oder auch nicht staatlich finanzierten Moral-, Sittenwächtern und Privatzensoren erzählen.

    Einfach nicht mit den Schmuddelkindern spielen, dann wird man auch nicht dreckig und fantasiert im Nachhinein darüber wie man Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie am besten abschafft.

    29. März 2017
    • davidos

      Falsch, schlechtes Argument und noch schlechterer Versuch, die Opferrolle einzunehmen.
      Wenn die Mehrheitsmeinung in den „Mainstream-Medien“ gebildet oder zumindest von ihnen beeinflußt wird, macht es durchaus Sinn, sich da einzubringen. Sei es als Teil davon (Broder) oder als ein kritischer Beobachter. Der Bildblog hat mich zB hierhingeführt und ist ein schönes Beispiel. „Einfach ignorieren“ ist keine Option, weil es nicht um Ereignisse auf einen anderen Planeten geht.
      Das gilt allerdings auch, wenn es um sich Meinungen abseits des Mainstream handelt.
      Auch diese müssen einerseits sich an rechtsstaatliche Normen halten und andererseits es aushalten, daß man sie an den anerkannten gesellschaftlichen Werten und Normen mißt.
      Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ist nicht der Wertekanon, der in den „alternativen“ Medien verbreitet wird (allenfalls dem Anschein nach).

      30. März 2017