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Home  /  Allgemein   /  Lagerberichte 5: Der erbitterte und verbitterte Kampf gegen die AfD

Lagerberichte 5: Der erbitterte und verbitterte Kampf gegen die AfD

Ben Krischke (l.) und Frank Zimmer arbeiten als Journalisten in München. und debattieren in „Lagerberichte“ auf schmalbart.de regelmäßig über Medien, Politik und Populismus. Foto: Christoph Born.

Es geht weiter mit der Dialog-Kolumne von Ben Krischke und Frank Zimmer: Heute: Über die Initiative „KleinerFünf“, miserable Analysen und wenig wohlwollende Interpretationen. Muss das denn sein?, schreibt Krischke an Zimmer.

Lieber Frank,

neulich habe ich einen Hinweis auf eine neue Initiative auf Schmalbart gesehen. Neugierig wie ich bin, konnte ich natürlich nicht darauf verzichten, mir das Ganze etwas näher anzugucken. Ein paar Klicks später erhielt ich folgende Informationen: Dunya treibt „das positive Gefühl an, gemeinsam demokratisch zu handeln“. Hannah macht sich Sorgen, weil „Homo- und Trans*phobie wieder ansteigen“. Johanna will „mehr Mutreden hören, keine Angstmache“. Und Wiebke engagiert sich „weil ich gerne in einer offenen und demokratischen Welt lebe“. Dies sei, weiß Wiebke, „keine Selbstverständlichkeit, sondern eine in den letzten Jahrhunderten erkämpfte Errungenschaft.“

Selbstverständlich müsste es nicht „letzten Jahrhunderten“, sondern „vergangenen Jahrhunderten“ heißen. Aber vielleicht geht die Welt ja wirklich unter, wenn die zitierten Damen und ihre Mitstreiter scheitern.

Dunya, Hannah, Johanna und Wiebke engagieren sich gemeinsam mit anderen für die Initiative „KleinerFünf“, beworben von Schmalbart. Mit ihrem „demokratischen Handeln“ und ihren „Mutreden“ wollen sie aufklären und verhindern, dass die AfD bei der Bundestagswahl über fünf Prozent kommt.

Deshalb sucht man auf der Seite der Initiative die beschworenen „Mutreden“ aktuell auch noch vergebens, stattdessen wird die AfD zu einem sexistischen, homophoben und rassistischen Monstrum aufgeblasen, das nach der Bundestagswahl alles verschlingen und die Welt in die Apokalypse führen könnte. Weniger „Mutreden“, mehr „Offenbarung des Johannes“.

Nun muss man, der Herr ist mein Zeuge, kein AfD-Mitglied sein, nicht mal mit dieser Partei sympathisieren, um den vielfach erbittert und auch verbittert geführten Kampf gegen sie mit einer gewissen Skepsis und Verwunderung zu begleiten. Da wird angeblich gegen Angstmacherei angeredet und gleichzeitig das Ende der Demokratie prophezeit, sollte die AfD in den Bundestag einziehen.

Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, scheint – glaubt man der breiten Front gegen die AfD – schon an die Türen der deutschen Gartenlauben und des Reichstags zu klopfen. Man verzeihe mir meine Polemik, aber das goldene Kalb, um im biblischen Duktus zu bleiben, scheint heute wirklich der „Kampf gegen Rechts“ zu sein, um den Dunya und Wiebke Hand in Hand „Ringel Ringel Reihe“ tanzen, mit Sonnenblumen im Haar und der Liebe zum Internationalismus im Herzen.

Meinen Lieblings-Teil möchte ich an dieser Stelle ausführlich zitieren, weil ich ihn für symptomatisch im Umgang mit der AfD halte. In ihrer AfD-Kritik schreiben die Initiatoren von „KleinerFünf“ unter der Überschrift „Europa der geschlossenen Türen“:

Die AfD wirbt für ein „Europa der Vaterländer“. Sie versteht die europäische Staatengemeinschaft als eine „Wirtschafts- und Interessengemeinschaft souveräner, lose verbundener Einzelstaaten“. Wenn es nach der AfD geht, dann sind die Türen zu Europa geschlossen und der Eintritt exklusiv. Solch nationalistische Tendenzen haben in den vergangenen 100 Jahren jedoch zu vielen Konflikten und Kriegen geführt.

„Die Türen zu Europa geschlossen und der Eintritt exklusiv“ klingt drastisch, steht so aber auch gar nicht im AfD-Programm, sondern ist lediglich eine wenig wohlwollende Interpretation von „KleinerFünf“. Denn eigentlich geht es der AfD hier unter anderem um Grenzkontrollen und regulierte Einwanderung. Das schreibt „KleinerFünf“ aber nicht, weil es viel zu harmlos klingt.

Richtig irre wird es bei der Feststellung, dass nationalistische Tendenzen „in den vergangenen 100 Jahren jedoch zu vielen Konflikten und Kriegen geführt haben“. Das klingt nicht nur so, als entstamme der Satz den Kindernachrichten, er hält einer kritischen Betrachtung auch nicht stand, wie ich finde: Nicht nationalistische Tendenzen – man könnte im Fall der AfD auch vereinfacht von „nationalen“ Tendenzen sprechen – haben zu vielen Kriegen und Konflikten geführt, sondern einerseits der Wunsch nach der Ausweitung des Staatsgebietes. Andererseits: Nicht die Besinnung auf das vorhandene Land mitsamt seiner politischen, religiösen und kulturellen Identität, worum es der AfD eigentlich geht, führte zu Kriegen und Konflikten, sondern gewaltsame Versuche, die eigene Macht auszuweiten und anderen seine politischen, religiösen und kulturellen Vorstellungen aufzuzwingen. Das erleben wir momentan eindrucksvoll beim Islamischen Staat.

Wenn man der Logik von „KleinerFünf“ weiter folgt, käme man außerdem zu dem Ergebnis, dass zentral gesteuerte Staatenbündnisse ein besserer Garant für Frieden und Stabilität seien als einzelne Länder, die souverän nebeneinander existieren und nur vereinzelt, zum Beispiel beim Handel, gemeinsame Sache machen. Ich frage mich ernsthaft, woher Wiebke und ihre Mitstreiter ihr geschichtliches Wissen ziehen. Ich kann mir beim besten Willen nämlich nicht erklären, dass die „KleinerFünf“-Macher offenbar noch nie etwas von der Sowjetunion gehört haben.

Natürlich kann und darf man die AfD kritisch betrachten. Das sollte man als aufgeklärter Demokrat übrigens mit allen Parteien tun. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Europäischen Union von heute wäre angebracht. Mit Angela Merkel, Donald Trump, Martin Schulz, mit allem und jedem von politischer Relevanz. Manchmal wäre aber auch eine kritische Betrachtung der eigenen Kritik wünschenswert. Denn Buzzwords reichen nicht aus, um eine Partei zu „entzaubern“, wie es im Zusammenhang mit der AfD oft heißt. Was „KleinerFünf“ publiziert, ist außerdem keine „Analyse“, wie Schmalbart schreibt, sondern eben eine wenig wohlwollende, stark gefärbte Interpretation.

Da fällt mir ein: Wie hast Du eigentlich die Proteste gegen die AfD in Köln wahrgenommen? 78 Prozent der Deutschen haben sich in einer Umfrage ja gegen Blockaden ausgesprochen. Interessant auch die Kirchen-Aktion „Unser Kreuz hat keine Haken“. Da war doch mal was…

Herzlich

Ben

Die Kolumne: Auf Schmalbart streiten sich die beiden Münchner Journalisten Frank Zimmer und Ben Krischke wöchentlich über Politik, Populismus, Medien und Lagerdenken. Zimmer sieht sich als linksliberaler Verfassungspatriot, Krischke als moderner Konservativer und Vollblutdemokrat. Bisher erschienen:

Bonus Track: Ben und Frank im Chat

Folge 4: Über die Doppelmoral der Alternativen Medien (Frank)

Folge 3: Über echten Konservativismus, „Beobachter Völkischer“ und eine Flasche Bordeaux (Ben)

Folge 2: Über echten Populismus und Pseudo-Konservative (Frank)

Folge 1:  Über Schmalbart, Moralsphären und politische Kampfbegriffe (Ben)

COMMENTS

  • 1.) Guter Beitrag.
    2.) Den Mix aus Naivität und undifferenzierter Weltsicht kritisiert man immer zurecht. Er findet sich bei allen, die Partei sind in einer Sache – das trendet automatisch zum Tunnelblick, bei allen Parteien. Haben wir nicht alle einen Drall zu Blickverengungen?
    3.) Im Fall der AfD darf man nicht übersehen, dass die Partei seit dem berühmten Rechtsruck 2015 selbst alle anderen Parteien beharrlich als „Einheitspartei“ etc. diffamiert, im Netz mit ihrer Meme-Propaganda sehr aggressiv zu Werke geht, überdies noch um sich herum das klassische Neunazi-Umfeld anzieht. Lucke schrieb damals: „In der AfD sehe ich dafür leider keine Möglichkeit mehr, ohne gleichzeitig als bürgerliches Aushängeschild für politische Vorstellungen missbraucht zu werden, die ich aus tiefer Überzeugung ablehne. Dazu zählen insbesondere islamfeindliche und ausländerfeindliche Ansichten, die sich in der Partei teils offen, teils latent, immer stärker ausbreiten und die ursprüngliche liberale und weltoffene Ausrichtung der AfD in ihr Gegenteil verkehren. Dazu zählt ferner eine antiwestliche, dezidiert prorussische außen- und sicherheitspolitische Orientierung, … Die damit einhergehende Auffassung, dass Deutschland aus der NATO oder aus der EU austreten solle, halte ich für falsch und verantwortungslos.“
    4.) Auf dem Parteitag wollte Petry noch einmal versuchen, die Partei anschlussfähig zur Mitte hin zu positionieren. Der Versuch ist gescheitert.
    5.) Die AfD stellt sich gern als Opfer von Negativdarstellungen und womöglich Vorurteilen dar. Tatsächlich bleibt sie in der Abgrenzung zu Neonazis – gelinde gesagt – äußerst diffus und mauert sich aktiv gegen sämtliche anderen politischen Strömungen ein. Wer wird denn da etwas anderes erwarten als eine breite, meinetwegen punktuell auch voreingenommene Ablehnung?
    6.) Werblich betrachtet, hat die AfD ein wachsendes Image-Problem, das parallel zur wachsenden Verbohrtheit ihrer Agitation entstanden ist. Es fällt mir schwer, etwas anderes darin zu sehen als eigene Schuld aufgrund mangelhafter Markenführung – Höcke u,.a. zwielichtern ständig herum und winken haltlos extremistischen Gestalten wie Elsässer zu. Dies Zwielichtige führt dazu, dass man der AfD nicht im Geringsten vertrauen kann. Und dass immer mehr Menschen was dafür geben würden, diese Partei wenigstens nicht im Bundestag zu sehen.
    7. Ich vermute, dass es in jeder Partei Argumente und Ideen gibt, denen man eine nachvollziehbare Legitimation zubilligen muss. Auch einige Punkte, die die AfD auf dem Zettel hat (meist in übertriebener Form), hätten vielleicht mehr Debatte auch in anderen Parteien verdient. Die allermeisten Lösungsideen sind allerdings nicht auf der Höhe der Problemstellungen. Eine Ausnahme, die ich kenne, ist ein Vorschlag zur Änderung des Inkassorechts. Aber für solche Lappalien muss man nicht ständig so einen Terz um „Lügenpresse“, „Blockparteien“, „Untergang des Westens“, „man traut sich nicht mehr auf die Straße“ etc machen.
    8. Wer Alarm sät, wird Alarm ernten.

    24. April 2017