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„Was mich geärgert hat, wird Dir gefallen“

Ben Krischke (l.) und Frank Zimmer arbeiten als Journalisten in München. und debattieren in „Lagerberichte“ auf schmalbart.de regelmäßig über Medien, Politik und Populismus. Foto: Christoph Born.

Vier Beiträge sind auf Schmalbart bisher erschienen, in denen sich die Journalisten Frank Zimmer und Ben Krischke über Politik und Medien streiten. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme.  So verlief ihr 30-Minuten-Chat:

Ben: Als Journalist ist man ja immer auch ein bisschen Psychologe. Man sieht sich die Symptome an, schaut, was die Menschen bewegt und warum. Wie lautet denn deine politische Gesellschafts-Diagnose aktuell?

Frank: Vielleicht ist es Wunschdenken, aber momentan sehe ich eine leichte Entspannung. Die Wut- und Hasswelle ist noch lange nicht weg, aber sie wirkt nicht mehr ganz so gewaltig wie vor einem halben Jahr. Vielleicht redet man wieder mehr miteinander. Oder versucht zumindest, zuzuhören. Tun wir beide ja auch. Aber das kann morgen vorbei sein. Nach einem großen Anschlag zum Beispiel.

Ben: Ich glaube vor allem, dass es daran liegt, dass sich auch Parteien wie die Grünen zum Beispiel mittlerweile trauen, Probleme bei der Integration anzusprechen. Man hört sogar von dieser Seite Statements, die von der selben Seite vor einem Jahr noch mit der Rassismus-Keule bekämpft worden wären.

Frank: Wie siehst Du hier die sogenannten Mainstream-Medien?

Ben: Ich habe Anfang des Jahres wieder angefangen, regelmäßig Spiegel Online zu lesen. Das habe ich schnell bereut. In der Regel lese ich die NZZ Online ganz gerne. Was Talkshows betrifft, bin ich mittlerweile ein großer Fan vom „Talk im Hangar 7“ auf ServusTV. Die laden auch Gäste ein, die bei uns undenkbar wären. Martin Sellner von der Identitären Bewegung zum Beispiel.

Frank: Man muss nicht jedem eine Plattform bieten. Aber weißt Du, was mich neulich geärgert hat? Das wird Dir gefallen.

Ben: Bitte.

Frank: Warum saß am Abend der Saarland-Wahl keiner von der AfD bei Anne Will? Hab ich nicht verstanden. Finde ich auch unklug, weil es Wasser auf die Mühlen der AfD ist.

Ben: Ich finde „Wasser auf die Mühlen“ immer eine schwierige Formulierung. Aber ja, das ist durchaus bemerkenswert. Ich glaube, dass es genauso falsch ist, eine Partei aufzublasen wie sie einfach außen vor zu lassen. Das erinnert mich an das Kinderspiel, bei dem man beide Augen zudrückt und dann so tut als sei man gar nicht da. Oder in dem Fall: Als seien die anderen gar nicht da.

Frank: Wie stehst Du eigentlich persönlich zur AfD? Du hast mal Höcke interviewt, glaube ich. Was ist das für ein Typ?

Ben: Tatsächlich war das ein sehr nettes, kluges Gespräch. Natürlich kamen da auch Formulierungen vor, die beim ersten Mal hören, etwas befremdlich klingen. „Preußische Tugenden“ zum Beispiel. Ohne jetzt eine Lanze für Höcke zu brechen, aber ich glaube schon, dass man als Politiker non grata dazu neigen kann, dass plötzlich Angriff die beste Verteidigung scheint, sich dadurch in manchen Ansichten auch unnötig radikalisiert. Sehr umstrittene Politiker gab es bei den Grünen zu Beginn aber auch. Ich glaube, alles entscheidet sich daran, ob die AfD auf Dauer zur bürgerlichen Partei wird, oder zum Sammelbecken von irgendwas. Hätte da auch noch eine Frage an dich.

Frank: Bitte.

Ben: Neulich habe ich einen Online-Test zu meinen „politischen Koordinaten“ gemacht. Da kam raus: links kommunitaristisch. Das hat mich schon sehr überrascht. Bist Du dir denn sicher, dass du ein Linksliberaler bist?

Frank: Nein. Wahrscheinlich bin ich der eigentliche Konservative, weil ich das System der Bundesrepublik für das beste halte, was Deutschland in 1000 Jahren untergekommen ist. Das will ich konservieren, insofern bin ich ein Konservativer.

Ben: Ein Dilemma, oder? Wir Menschen sind ja gerne konkret irgendwas von irgendwas.

Frank: Die Begriffe gehen tatsächlich durcheinander. Ich weiß auch nie so richtig, wie ich „Euch“ nennen soll. Über den jungen Bismarck hat mal einer geschrieben: „roter Reaktionär“. Rote Reaktionäre würde auch auf viele Rechtspopulisten passen. Es ist aber kein Bismarck unter ihnen.

Ben: Wie sind denn deine bisherigen Erfahrungen mit unserer Dialog-Kolumne?

Frank: Zustimmung in der Filterblase. Wie ist es bei Dir? Was sagt die Achse des Guten?

Ben: Zustimmung in der Filterblase ebenfalls. Insgesamt war die Erfahrung meinerseits aber auch mit „Euch“ ganz positiv. Ein paar schräge Typen sind aber auch bei Euch dabei. Letztens kommentierte jemand, dass ich lieber weiterhin für die „neoliberale Achse der Blöden“ schreiben soll. Noch so ein Dilemma: Selbst beleidigen ist leider viel zu oft viel zu unkreativ. „Achse der Gurken“ zum Beispiel. Das wäre eine kreative Beleidigung gewesen.

Die Kolumne:  Auf Schmalbart streiten sich die beiden Münchner Journalisten Frank Zimmer und Ben Krischke wöchentlich über Politik, Populismus, Medien und Lagerdenken. Zimmer sieht sich als linksliberaler Verfassungspatriot, Krischke als moderner Konservativer und Vollblutdemokrat. Bisher erschienen:

Folge 4: Über politisch korrekte Populisten und wirkliche Mehrheiten (Frank)

Folge 3: Über echten Konservativismus, „Beobachter Völkischer“ und eine Flasche Bordeaux (Ben)

Folge 2: Über echten Populismus und Pseudo-Konservative (Frank)

Folge 1:  Über Schmalbart, Moralsphären und politische Kampfbegriffe (Ben)

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